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Chapter 11
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Es war von Jensens Seite her ein äußerst tränenreicher Abschied gewesen und er hatte Jared angefleht doch am Wochenende wieder nach New York kommen zu dürfen. Am liebsten hätte er es ihm untersagt, als sein Dom wäre das kein Problem gewesen, doch als sein Freund …

Jedenfalls war Jared froh gewesen, als Jensen endlich in der Maschine verschwunden war und diese vom Boden abhob. Immer wieder hatte er einen Blick über die Schulter geworfen, um nachzusehen, ob Jensen es sich nicht vielleicht doch anders überlegt hatte. Er warf einen Blick auf die große Uhr über dem Ausgang, bis zu seinem Treffen mit Misha hatte er noch jede Menge Zeit, den Job heute würde er bald erledigt haben, also blieb dann auch noch etwas Zeit für sein Buch.

Der Fotoshoot fiel ins Wasser. Das Model hatte von einem Gönner Champagner und Erdbeeren bekommen. Blöd nur, dass die Erdbeeren eine allergische Reaktion auslösten und das Model nachher aussah, wie Quasimodos kleiner Bruder. Und weil der Kunde sich auf einen bestimmten Typ Mann eingeschossen hatte, fand man leider keinen passenden Ersatz auf die Schnelle.

Ja, die Modewelt war schon immer irre. Jared hatte das über die Jahre hinweg mitbekommen. Auf den Laufstegen regierte der von Kate Moss und Konsorten kreierte Heroin Look. Dünn, dünner, am dünnsten. Genauso in Hollywood. Es war schlimm, eine Zeitlang tummelten sich auf dem Markt beinahe nur ausgehungerte Models. Mittlerweile fand ein Umdenken statt und seine Klientel bevorzugte ohnehin andere Typen. Manchmal fragte er sich, wer hier pervers beziehungsweise krank veranlagt war.

Ein wenig freudlos, da Jared immer noch an der Sache mit Jensen knabberte, nahm er sein Notebook und fläzte sich auf die Couch. Obwohl dieses Thema eher weiter hinten im Buch kommen sollte, wollte er sich jetzt damit auseinandersetzen. Es passte zu seiner gegenwärtigen Stimmung und zu den Dingen, die er mit Jensen in den vergangenen Tagen erlebt hatte. Auch war es eines der Schlüsselerlebnisse mit dem Marquis:

Es war eine dieser üblichen Parties. Jene, wo Meister ihre Sklaven zur Schau stellen. Ich fand es schon lange nicht mehr so toll, wie Vieh auf dem Markt ausgestellt zu werden, doch ich spielte mit. Meine Beziehung war kurz vorher in die Brüche gegangen, ich hatte es nicht geschafft, die Person, die ich am meisten geliebt habe, zu halten. Wir trennten uns im Einvernehmen. Meine Karriere steckte in einer Krise und ich wollte mich mehr denn je in dem süßen Schmerz verlieren, den mir nur der Marquis zufügen konnte, jedenfalls dachte ich das damals.

Mit der Zeit bekam alles einen schalen Beigeschmack und ich fing an, mich gegen ihn aufzulehnen. Vielleicht, weil ich meine Grenzen ausloten wollte? Wissen wollte, wie weit der Marquis gehen würde? Was war ich doch für ein Narr. Niemand kann gegen ein sadistisches, egomanisches Arschloch gewinnen. Niemand. Ich war nur vermessen genug, es zu glauben. Gepusht von meiner Wut, über mein Versagen in der Beziehung, dass eigentlich keines war. Und von den Drogen mit der mich der Marquis und seine Freunde reichlich versorgten.

Auf besagter Party trug ich nichts als eine schwarze Harlekinmaske, ein Lederhalsband mit einem eingelassenen Brillanten, inklusive der dazugehörigen Leine, die am Handgelenk meines Doms befestigt war. Der Club in den wir ginge,n verfügte über eine zirkusähnliche Arena. Der Marquis führte mich dort ein paar Mal im Kreis, um den Anwesenden meinen Gehorsam und mein perfektes Verhalten vorzuführen. Wir hatten das bis zum Umfallen bei ihm zu Hause geübt. Ich hasste es und an jenem Tag betäubten mich die Drogen nicht so, wie sonst, sondern schürten meine Aufsässigkeit. Den Auftritt in der Arena absolvierte ich noch mit Bravour.

Anschließend musste ich neben ihm Knien, ihm beim Essen zusehen. Als ich ihm zu verstehen gab, dass auch ich Hunger hatte, lies er mir einen Plastiknapf bringen, aus dem ich essen sollte, wie ein Tier, ohne Zuhilfenahme meiner Hände. Ich verweigerte ihm den Dienst, wofür er mich kurz darauf, vor allen ans Andreaskreuz fesselte und mich auspeitschte. Seine Hiebe waren fester als sonst und während ich mir in die Innenseite der Wange biss, bis ich Blut schmeckte, um nicht aufzuschreien, lachte er höhnisch dabei.

Aber das war noch nicht alles, was er an diesem Abend für mich geplant hatte. Nachdem mein Rücken und mein Hintern mit unzähligen roten Striemen übersät waren, fummelte er an meinem Schwanz herum und verpasste mir einen Cock Cage und einen Knebel. Die Menge johlte. Danach führte er mich zu einem Bock über den ich mich beugen musste. Ich wurde angekettet. Zuerst waren es nur seine, mit Gleitgel eingeriebenen Finger, von denen er gleich drei in mich hineinschob. Geschickt bearbeitete er meine Prostata, was mir mit der Zeit immer heftigere Schmerzen bescherte, sobald vor lauter Geilheit Blut in meinen Schwanz schoss, weil dieser ja zum Stillhalten verurteilt worden war.

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Es blieb nicht bei den Fingern. Er nahm einen riesigen Dildo, den er brutal in mich reinschob. Damit fickte er mich, wie lange weiß ich nicht mehr.

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Die Doms, die um uns herumstanden und sich Großteils von ihren Subs oral befriedigen ließen, fanden diese Vorstellung atemberaubend, mir liefen die Tränen übers Gesicht und ich schrie vergeblich gegen den Knebel an.

Ab und zu machte der Marquis eine Pause, um mir meine tränenüberflutenden Wangen zu tätscheln und meinte überlegen lächelnd, nächstes Mal würde ich doch sicher aus der Schüssel essen, oder?

Dann bot er mich den anderen feil. Für fünfhundert Dollar, durfte jeder Dom seinen Schwanz in mich hineinstecken. Ich kann nicht beschreiben, was ich damals empfand, mich ekelte vor mir selbst. Dutzende Type entluden sich in "meinen geilen Arsch", den der Marquis immer wieder anpries. Am ärgsten war es für mich, als der Marquis mir den Cock Cage und den Knebel endlich abnahm und ich kam. Ja, ich kam tatsächlich. Ich schrie mir die Lungen aus dem Leib, weil ich es nicht wollte, doch ich konnte nicht anders. Ich war zu erregt, das Sperma spritzte in mehreren Fontänen aus mir heraus und der Marquis erhielt Lobeshymnen für diese, mehr als extravagante Vorstellung. Als ich endlich wieder halbwegs auf den Beinen war und er mich an der Leine nach hinten führte, spuckte ich ihm ins Gesicht. Er reagierte nicht, lächelte nur.

Danach war ich für ein paar Wochen "geheilt". Aber wie das bei jeder Abhängigkeit der Fall ist, kann man sich noch so sehr einreden, man braucht es nicht und wird dann erst wieder schwach. Ich ging aber nicht zum Marquis, sondern zu einem seiner Freunde. Blöde Idee. Der versprach mir eine tolle wirklich tolle Session, verband mir die Augen, fesselte meine Hände mit einem Kabelbinder auf den Rücken, knebelte mich, behandelte meinen Schwanz mit Elektroschock, und stopfte mich in einem Käfig. Immer wieder versuchte ich mich zu artikulieren, schrie mein Safeword, wehrte mich. Doch er wollte es nicht hören.

Ich weiß nicht mehr genau, wie lange ich dort eingesperrt war, aber ich denke es waren mehr als 36 Stunden. Ich hatte keine Ahnung, dass der Marquis so etwas wie Kopfgeld auf mich ausgesetzt hatte. Daher auch meine Phobie, wenn es darum geht, mir die Augen zu verbinden.

Kein erfahrener Dom lässt einen Sub, dermaßen gefesselt alleine zurück, schon gar nicht für so lange Zeit. Und ich denke, wenn mich die Tochter dieses Typen nicht zufällig gefunden und befreit hätte, wäre ich dort gestorben.


Jared unterdrückte das Würgen in seinem Hals und die Tränen, die in seinen Augen brannten. Er hatte plötzlich wieder den Gestank in der Nase und seine Kehle schnürte sich zu. Der Schmerz in seiner Brust breitete sich aus. Er sprang auf, ging zu seinem Schreibtisch und holte den Nitrospray heraus. Sein exzessiver Lebensstil war nicht ohne Nebenwirkungen geblieben. Er litt an Angina Pectoris. Bei dieser Erkrankung führt eine akute Unterversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff und Nährstoffen zu ausgeprägten Schmerzen in der Herzgegend. Zu den typischen Symptomen zählen weiters Atembeklemmungen sowie ein Engegefühl im Brustkorb.

Er sollte vielleicht ein paar Gänge zurückschalten, wollte er keinen Herzinfarkt riskieren, ging es ihm durch den Kopf. Der Spray zeigte augenblicklich Wirkung, die Schmerzen ließen nach, er bekam wieder Luft. Zur Sicherheit steckte er den Spray in seine Hosentasche. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er noch genug Zeit für eine heiße Dusche und ein Nickerchen hatte, ehe er sich mit Misha und Riley traf.

+++++

Jared trug dunkelblaue Jeans, einen cremefarbigen Rolli und eine Lederjacke von Armani. Seine Beine steckten in schwarzen Cowboyboots. Misha wohnte in Greenich Village. Einem der Künstlerviertel der Stadt.

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Schon als ihm sein ehemaliger Co-Star und Dom die Tür öffnete, stieg Jared ein fantastischer Geruch in die Nase. Misha war leidenschaftlicher Koch.

"Hi Misha", sagte er mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht und drückte ihm eine Flasche Glenfiddich Excellence 18YO in die Hand, um die 900 Dollar wert.

Misha sah anerkennend auf die Verpackung, "wow, du hast dir deinen Besuch ja richtig was kosten lassen, komm rein mein Freund."

Nachdem Jared abgelegt hatte, umarmten sie sich kurz. Jared sah sich suchend um.

"Wo ist Riley?"

"Er stößt erst später zu uns."

Mishas Gesichtsausdruck gefiel Jared überhaupt nicht.

"Alles in Ordnung bei euch?"

Sein Gastgeber zuckte die Schultern, "kann es das jemals sein? Du kennst ihn doch mindestens so gut, wie ich, wenn nicht besser. Im Moment versucht er sich mal wieder in einer Selbsthilfegruppe. Auch nur, weil ich ihn dort angemeldet habe. Aber reden wir nicht über ihn, reden wir über dich."

Er klopfte Jared auf die Schulter und führte ihn ins Esszimmer, dessen Tisch festlich gedeckt war. Für zwei Personen.

"Er isst nicht mit uns Jared, aber er wird später mit dir reden. Das hat er mir versprochen", erklärte Misha das fehlende Gedeck.

Es gab Ente à l'Orange dazu Rotwein und als Dessert ein Kiwisorbet. Während des Essens sprachen sie über allgemeine Sachen. Jareds Job als Fotograf und Misha entschuldigte sich, nicht bei der Vernissage dabei gewesen zu sei. Er hatte eine Buchpräsentation in Los Angeles gehabt und war auch dort gewesen, um wegen eines Indie Film Projektes mit ein paar Leuten zu reden.

Zum eigentlichen Thema kamen sie erst, als sie ihm Wohnzimmer vor dem gemütlichen Kamin saßen und an ihren, mit Glenfiddich gefüllten Gläsern, nippten. Die goldene Flüssigkeit brannte sich angenehm Jareds Kehle hinunter.

"Dann erzähl mir mal von deinem neuen Spielzeug", eröffnete Misha das Gespräch.

"Er ist nicht mein neues Spielzeug", fauchte Jared und bedauerte seinen Ton im nächsten Augenblick, "entschuldige."

Misha zuckte die Schultern, "keine Ursache, ich hatte bloß keine Ahnung …" er ließ die Worte in der Luft hängen.

"Es ist schwierig", begann Jared und veränderte seine Sitzposition in dem gemütlichen Ohrensessel, "Jensen kennt seine Grenzen nicht, aber er vertraut mir und glaubt, dass ich ihm dabei helfen kann, sie zu erreichen."

"Und … traust du es dir zu?"

Jared sah einen Moment zu Decke, "ich denke, ja. Er ist willig sich mir zu unterwerfen. Er ist ein guter Schüler …"

Misha schüttelte sein Glas ein wenig, die Eiswürfel klirrten leise, "bekommst du wirklich alles, was du von ihm brauchst?"

"Natürlich, ich meine, denkst du ich würde mich darauf einlassen …" Jared hörte selbst den harschen Ton mit dem er sprach, nahm sich zurück, "sorry, ich hab es schon wieder getan."

Misha lächelte, "oh, du stellst dich schützend vor ihn, du achtest sicher bestens auf ihn. Aber eigentlich mache ich mir keine Sorgen um Jensen, eher um dich."

Bevor Jared etwas erwidern konnte, hob Misha eine Hand, "lass mich aussprechen. Erzähl mir hier bloß nicht, dass ich mir keine Sorgen um dich machen müsste, du hast mich jetzt schon zweimal wegen ihm angefahren und wir sind erst am Anfang unseres Gespräches. Ich denke du siehst mehr in ihm, nicht wahr? Du siehst ihn als deinen Geliebten. Eure gemeinsame Vergangenheit. Dachtest du, du könntest das so einfach beiseite schieben und ihn als reinen Sub sehen?"

"Ich … ich weiß es nicht, vielleicht." Es hielt Jared nicht länger in seinem Ohrensessel, er sprang auf und fing an, herumzulaufen.

"Ich will keinen erzwungenen Gehorsam Misha, ich brauche keinen Roboter. Und nach den vergangenen Tagen hab ich den Eindruck, ich kann ihm nicht das bieten, wonach er sucht. Sexuell gesehen sicher, aber der Rest ..." Jared nahm erneut einen Schluck von seinem Glas.

Misha strich sich ein imaginäres Staubkorn von seinem Hemd, "Riley hat mir ein bisschen etwas über Jensen erzählt. Er mag ja vielleicht Erfahrungen mit den Schlägen und dem Sex haben, aber emotional gesehen, ist er ein Wrack. Er hatte bis jetzt nicht ein einziges befriedigendes Erlebnis. Er wechselt die Doms, wie andere ihre Unterwäsche. Was er bisher tat, war einfach sich missbrauchen zu lassen. Ganz zu schweigen von der letzten Sache … Ich denke, du hast Angst davor bei ihm in die vollen zu gehen."

Misha wusste, welche Knöpfe er bei Jared drücken musste, um ihn zum Reden zu bringen.

"Ich … ich hab keine Angst davor in die vollen zu gehen … nicht wirklich … ich hab eher Angst davor, ihm nicht das bieten zu können, wonach er sucht und er mich daraufhin verlässt."

Jared setzte sich wieder, räusperte sich, "so wie es mit damals mit Riley passiert ist. Ich will Jensen aber nicht verlieren, nicht noch einmal. Das hatten wir schon."

Misha nickte bedächtig, das Holz knisterte heimelig im Kamin, "glaub mir Jared, dass ist eine Sache, die ich durchaus verstehen kann. Deine Beziehung zu Jensen ist mit einem Risiko behaftet und du bist nicht unbedingt der Typ, der sich gern auf Risiken einlässt. Aber wie um alles in der Welt, willst du ihm das geben, wonach er sucht und nebenbei wonach du suchst, wenn du ihn mit Samthandschuhen angreifst? Früher oder später wird er hinter deine Fassade blicken und erkennen, dass du nicht derjenige bist welcher …"

"Shit Misha, ich weiß worauf du hinaus willst und du hast vollkommen recht. Ich weiß nur zu gut, wie es sich anfühlt, wenn sich dein Sub immer weiter von dir entfernt. Als hätte ich das nicht schon einmal durchmachen müssen." Jared versuchte seine Tränen wegzublinzeln.

"Sieh mir in die Augen Jared", forderte Misha ihn auf, er gehorchte.

"Ich bin weiß Gott nicht dazu befugt, mich in deine Herzensangelegenheiten einzumischen. Aber … Du weißt ganz genau, dass deine Beziehung mit Riley nicht alleine daran zerbrach, weil du nicht mehr mit seinen Anforderungen schritthalten konntest. Da ging es um so viel mehr. Ihr habt Euch einfach auseinander entwickelt. Das kommt in normalen Beziehungen auch oft genug vor."

"Danke Misha, ich weiß noch genau weshalb unsere Beziehung kaputt ging."

Jared hatte auf stur geschalten.

"Sag mal hörst du mir überhaupt zu?" Misha stellte sein Glas auf dem Beistelltisch ab, "ich hab gesagt, hör auf, dich alleine dafür verantwortlich zu machen und ich rede jetzt von Jensen und dir. Ich weiß, dass du gut für ihn sorgst, aber hier geht es darum, dass ihr beide in die Pflicht genommen werdet. Du weißt worauf ich hinaus will. Hör auf, auf den verdammten Teppich zu starren", schnappte Misha. Jared hob erschrocken den Kopf.

"Du sagst du vertraust ihm. Tust du das wirklich, Jared? Ich hoffe schon, ansonsten hast du ein ernstes Problem und solltest einige Dinge nochmals überdenken."

Jared antwortete ihm nicht gleich. Über Jensen zu reden, förderte so viele Emotionen zu Tage. Es war schwierig sie alle einer Kategorie zuzuordnen. Es gab da soviel mehr als bloß die sexuelle Komponente. Es war einfach alles an Jensen, sein Lachen, sein Weinen, seine Verletzlichkeit, die Dinge über die er mit ihm sprechen konnte. Ihm näher zu bringen, dass seine Safe Words nicht bedeuteten sich mit ihm auf einen Wettstreit einzulassen, wer länger durchhielt. Irgendwie fühlte sich Jared gerade wie ein blutiger Anfänger. Er war froh, endlich mit jemandem über all das reden zu können.

"Shit Misha, ich … ich komm mir vor, als wär ich total aus der Übung."

Misha schüttelte den Kopf, stand auf, ging hinüber zur holzvertäfelten Wand, "soso, außer Übung … Komm her Sklave", befahl er.

Jared drehte sich um, starrte ihn über die Lehne des Ohrensessels verdattert an, "Sklave? Das meinst du jetzt nicht ernst, oder?"

Misha verzog keine Miene, "du widersetzt dich mir? Auch gut, dann zieh deinen scheiß Pullover aus und komm hier her, Sklave, noch einmal sag ich es nicht."

Jared tat, was Misha ihm befohlen hatte.

"Na bitte, geht doch", meinte Misha, als Jared ihm den Rolli in die Hand drückte, "und jetzt Gesicht zur Wand und Hände auf den Rücken."

Obwohl es Jared zuwider war, gehorchte er. Hoffte jedoch nur, dass Riley nicht gerade jetzt nach Hause kam.

Misha sprach in dem gleichen herrischen Ton weiter, "Ich werde dir einige Fragen stellen und ich erwarte Antworten, ehrliche Antworten. Du kannst dir Zeit nehmen so viel du willst, aber antworte mir präzise. Keine Ausflüchte, klar?"

"Ja, Sir", entgegnete Jared und hörte wie Misha den Gürtel aus dem Hosenbund zog.

Innerlich zuckte er ein wenig zusammen.

"Wie nett von dir Dankeschön. Denk an diese Regeln und du wirst meinen Gürtel nicht auf deinem Rücken spüren", während Misha sprach lies er das weiche Leder sanft über Jared's Rücken gleiten, bewunderte diesen gestählten Körper.

"Wann immer du deine Peitsche schwingst beziehungsweise deinen Mund öffnest, jedesmal wenn du Jensen fesselst, ihn quälst, ihn küsst, ihn fickst, ihm die Augen verbindest, ihn belohnst und so weiter hast du die Wahl, du kannst ihm damit weh tun oder du hilfst ihm damit. Klar? Wo genau liegt nun das Problem, wenn du sagst, du bist aus der Übung? Heißt das, du benutzt dein Werkzeug, ohne genau zu wissen, was du damit tust?"

"Nein, Sir, auf keinen Fall ich bin ein gewissenhafter Dom. Ich kenne die Regeln, halte mich strikt an sie."

Misha stellte sich neben ihn, flüsterte ihm ins Ohr, "weißt du genau wo seine Schmerz- und seine Lustgrenze liegt? Weißt du, wie weit du bei ihm gehen kannst? Zollt er dir den nötigen Respekt oder rastet er manchmal aus, tut nicht immer das, was du von ihm verlangst? Sag's mir, womit hast du ein Problem?"

"Er … er macht alles, was ich will, er hält sich an meine Vorgaben. Und wenn Jensen einen Fehler macht, dann lernt er daraus. Er ist ein besserer Sub, als ich ein Dom bin."

Misha machte einen Schritt zurück, "ach nein, tatsächlich? Und wessen Schuld ist das?"

"Meine Sir, meine ganz alleine."

Kalter Schweiß perlte auf Jareds Stirn.

"Du hast also einen Sub, der dir den Schneid abgekauft hat? Der dich vorführt? Großartig, was kommt als nächstes? Wird er zur Peitsch greifen? Wird er dir zeigen wo's lang geht? Sag mir eines, wenn ER sich in diesen Zustand versetzt, wo er alles um sich herum vergisst, wo er jegliche Bodenhaftung verliert und vollkommen darin aufgeht, es zu genießen, verletzt du ihn damit oder tust ihm was Gutes, wenn du es zulässt?"

"Darum geht es doch gar nicht, Sir."

"Falsche Antwort", gleich darauf zischte der Gürtel auf Jareds Rücken nieder und hinterließ eine rote Strieme.

"Nochmal, verletzt du ihn damit oder tust du ihm was Gutes? Du bist sein Dom, du solltest ihn führen und nicht umgekehrt. Sag mir ob es richtig ist oder falsch", fauchte Misha.

Jared biss sich in die Unterlippe, "es ist nicht in Ordnung, es ist falsch", presste er mühsam hervor.

"Gut so und jetzt erklär mir die Sache näher", wieder fühlte Jared das Leder, das über seinen Rücken strich.

"Anfangs schien alles gut zu laufen, bis zu dem Punkt, an dem er mir sagte, er benötige keine Safewords. Ich machte ihm klar, dass das nicht funktionieren würde, nicht mit mir. Ich dachte er hätte es kapiert."

"Er hat darauf verzichtet, seine Safewords nicht zu benutzen?" hakte Misha nach, als hätte er einen Gehörschaden.

"Verdammte scheiße ja!"

Der nächste Hieb mit dem Gürtel traf Jared, ein wenig härter als zuvor, "wo bleibt dein Respekt, Sklave?"

" Sorry, Sir. Ja, Sir. Während einer Session verzichtete Jensen darauf die Wörter zu benutzen, eines davon hätte ja genügt. Ich hab mich auf ihn verlassen, ich hab mich mitreißen lassen", Jareds Stimme wurde immer leiser.

"Ich kann dich nicht hören, Sklave."

"Ich hab mich von ihm gängeln lassen, Sir. Ich hab ihm mehr vertraut als mir. Zufrieden?"

"Das hört sich an, als wäre es traumatisches Erlebnis für dich gewesen. Jetzt frag ich dich …" Misha unterstützte seine nächsten Worte mit entsprechenden Gesten.

"Wenn du Jensen um dich hast, wenn du mit ihm kuschelst und ihn tröstest, was springt dann bitte für dich dabei raus?"

"Jensen, ich bekomme Jensen. Ich habe einen Sub, der versucht sein bestes zu geben, ein sexuell kompatiblen Partner in jeder Hinsicht."

Misha griff sich theatralisch an den Kopf und verdrehte dabei die Augen, "na wie schön für euch zwei Turteltäubchen, vielleicht sollte ich schon mal mit einem Weddingplanner über die bevorstehende Hochzeit reden."

"Aber er ist glücklich … Sir", betonte Jared.

"Super, dann hört doch mit den überflüssigen Spielchen auf und stellt um auf Kuschelsex. Himmel Jared, der Kerl hat dich mental kastriert! Ich will, dass du aufhörst Jensen ständig mit Riley zu vergleichen. Ich will, dass du mir sagst, dass Jensen dich nicht für seine Zwecke missbraucht. Ich will dass du mir sagst, dass er deine Bedürfnisse befriedigt, deine Bedürfnisse als Dom und nicht als Liebhaber oder was auch immer. Und Gott steh mir bei, wenn ich dieses Zugeständnis aus dir raus prügeln muss, dann tu ich es auch."

"Er erfüllt meine Bedürfnisse als Dom in keinster Weise, zufrieden? Himmel Misha, nur weil er einmal Mist gebaut hat …"

Der Schlag kam so unvorbereitet und so heftig, dass es Jared den Atem raubte und er in die Knie ging.

"Einmal genügt schon", zischte Misha, "und nachdem, was du mir so erzählst, wird es sicher nicht dabei bleiben. Du hättest ihm damit erheblichen Schaden zufügen können. Du lässt zu, dass sich die Regeln während der Session in Luft auflösen."

"Aber er ist glücklich", Jared drückte sich vom Boden hoch.

"Hörzu Jared", sagte Misha in sanften Ton, "die Wahrheit ist doch, dass er deine Bedürfnisse als Dom nicht befriedigen kann. Die Krux an der Sache ist, dass du ihm das jetzt klar machen musst. Mag schon sein, dass er glücklich ist, aber er wird noch glücklicher sein, wenn er härter dafür arbeiten muss. Noch mehr wird er sich dir unterwerfen, wenn du ihm zeigst, dass du imstande bist, ihn dort hinzuführen, wo seine größten Ängste liegen, ihm zu zeigst, wie er damit umgehen kann und ihn wieder sicher zu dir zurück bringst."

Misha tätschelte Jared die Schulter, "das ist dein Job mein Junge. Und dabei geht es nicht nur um Jensen alleine. Jensen ist nicht Riley. Riley musst du nur hart genug schlagen, dann liest er dir jeden Wunsch von den Augen ab. Jensen ist eine viel komplexere Persönlichkeit. Du musst dich mit ihm sicher mehr auseinandersetzen als mit Riley."

Jared wandte sich um, um Misha in die Augen sehen zu können.

Für den Bruchteil einer Sekunde meinte er in dem wundervollen Blau dieser Augen ertrinken zu müssen.

"Jared, tief in dir drinnen musst du doch wissen, dass es nicht deine Schuld war, dass Riley ging. Wie sehr du es dir auch einreden möchtest. Du weißt, dass es nicht stimmt."

Der große Texaner nickte kaum merklich, "ich weiß. Sicher könnten Riley und ich … aber es hätte nicht funktioniert, es wäre einfach nur …"

"Dann lass ihn los Jared. Lass Riley gehen. Konzentrier dich voll und ganz auf Jensen. Gib ihm jene Aufmerksamkeit, die er benötigt. Zoll ihm den Respekt, den du ihm als Dom schuldig bist. Und wann immer es Probleme geben sollte, oder du meine Hilfe brauchst, du weißt, dass du auf mich zählen kannst."

Jared schluckte, nickte stumm. Sie gingen wieder zurück an ihre Plätze am Kamin. Jared streifte sich den Pullover über, verzog ein wenig das Gesicht, als der raue Stoff über die Striemen streifte.

Misha nahm sein Glas in die Hand, nippte nachdenklich daran, "Riley geht es den Umständen entsprechend gut. Ich sorge für ihn wie ein Vater für seinen Sohn."

"Ich weiß Misha und ich bin dir dankbar dafür", entgegnete Jared, ein wenig gefasster.

"Es ist nicht einfach. Ab und zu fragt er nach dir. Er ist süß. Mittlerweile konnte ich die Anzahl der Sessions auf zweimal die Woche beschränken. Sie zehren an meiner Kraft, mehr als du ahnst und immer wieder versuche ich dem Jungen zu zeigen, dass es nicht notwendig ist zu bluten, damit er an sein Ziel kommt. Verstehst du. Er schneidet sich nicht mehr so oft wie früher. Weigert sich aber strikt sich einer stationären Behandlung zu unterziehen. Ich versuche, ihm den Schmerz zu nehmen so gut ich kann, aber … ich sollte aufhören, dich damit zu belasten Jared. Überhaupt in deiner jetzigen Situation."

Misha seufzte, trank das Glas leer, starrte ins Feuer.

"Hey, es geht hier um Riley und um dich. Ich werde dir immer zuhören, dir zur Seite stehen. So wie du mir. Wie könnte ich nicht?" Jared langte über den Tisch ergriff Mishas Hand.

Der ältere sah ihm in die Augen, "ich hab vor, Riley einer radikalen "Kur" zu unterziehen. Ich werde mich unten in meiner Kammer mit ihm einschließen, ein paar Tage lang."

Jared riss entsetzt die Augen auf, "Misha?! Eine Powersession? Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Meinst du, du hältst das durch? Ich könnte als Beobachter anwesend sein. Du solltest das auf keinen Fall alleine durchziehen."

"Ich weiß, aber es gibt keine andere Möglichkeit, es kann funktionieren, du weißt es. Ich kann ihn brechen …"

Jared gab eine grunzendes Geräusch von sich und nahm einen Schluck aus seinem Glas, "oder sie Show geht nach rückwärts los und er vertraut dir nie wieder", gab Jared zu bedenken.

"Ich weiß, aber ich muss das Risiko eingehen."

Draußen wurde die Eingangstür zugeschlagen, Riley war gerade nach Hause gekommen." tbc

Posted on: 1/24 13:40
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Nachdem Misha das Zimmer verlassen hatte, drang undeutliches Gemurmel an Jareds Ohren. Nur das "Ja, Sir!" verstand er klar und deutlich. Kurz darauf kam Riley ins Zimmer. Die Hände am Rücken, den Blick gesenkt und die Beine leicht gespreizt, blieb er vor Jared stehen.

"Willkommen Sir, schön sie zu sehen."

Jared verdrehte die Augen, "bitte Riley lass das. Ich bin schon lange nicht mehr dein Master. Ich will bloß mit dir reden. Das ist alles, setz dich doch einfach."

Riley zog seine Stirn kraus, kam jedoch Jareds Bitte umgehend nach.

Eine ungemütliche Stille machte sich breit und Riley vermied noch immer seinem ehemaligen Herrn in die Augen zu sehen.

Schließlich wurde es Jared zu dumm. Er räusperte sich und lehnte sich in dem bequemen Fauteuil zurück.

"Ich freu mich auch dich zu sehen, Riley. Misha sagte mir, es ginge dir ganz gut."

Riley nickte, "es geht so, Sir … uhm Jared, sorry. Das Ganze hier ist ein bisschen strange für mich. Nach so langer Zeit und all den Dingen, die zwischen uns vorgefallen sind."

Nervös leckte er sich über die Lippen und schrak regelrecht zusammen, als Misha hereinkam und ihm eine kleine Flasche Wasser hinstellte.

"Danke Sir, danke", sagte er unterwürfig.

Misha seufzte leise und klopfte ihm sanft auf die Schulter, "schon in Ordnung, nichts zu danken."

Beinahe lautlos ging er wieder zur Tür hinaus. Jared sah ihm versonnen nach.

"Er ist ein guter Herr", sagte Riley, nachdem er hastig ein paar Schlucke aus der Flasche getrunken hatte, "und er bemüht sich wirklich."

Rileys Worte brachten Jareds Aufmerksamkeit zurück, "aber?"

"Aber … es tut mir leid, dass ich dich in die Enge getrieben habe, dass ich zu weit gegangen bin. Es tut mir leid, dass ich alles zerstört habe."

Seine Stimme verkam zu einem Flüstern.

"Riley, das ist schon lange vergeben und vergessen. Und … es war nicht alleine deine Schuld. Ich hätte wissen müssen, wo die Grenze ist und dennoch hab ich mich mitreißen lassen und sie überschritten. Es … es ist mir erst unlängst wieder passiert, ich … ich habe schon mit Misha darüber gesprochen. Ein Dom sollte über alles erhaben sein, eigentlich."

"Und dennoch bist du nur ein Mensch und keine Maschine", sagte Riley, "niemand kann von dir verlangen 24/7 ununterbrochen, wie ein Uhrwerk zu funktionieren. Nein, ich hatte kein Recht dazu. Heute weiß ich, dass es falsch war, dass von dir zu verlangen und hätte ich nicht so insistiert, dann hättest du dich sicher nicht darauf eingelassen."

Zum ersten Mal seit Beginn des Gespräches hob er seinen Kopf und sah Jared tief in die Augen. Der große Texaner konnte Rileys Schmerz beinahe körperlich spüren, er schien aus jeder Pore zu strömen.

"Kann es sein, dass ich im Gegensatz zu dir nicht aus meinen Fehlern gelernt habe?" fragte er unvermittelt.

Riley senkte seinen Blick auf Jareds Hände, diese wundervollen Hände, die einst Schmerz und Glück für ihn bedeutet hatten.

"Ich versteh nicht …"

"Es geht um Jensen", sagte Jared rundheraus, "ich denke, du hast ihn zu mir geschickt, nicht wahr?"

"Ich wollte nur das Beste für ihn, Si … Jared. Als ich ihn getroffen habe, war er nur noch ein Schatten seiner selbst. Ich habe ihn im "Hostile" in Los Angeles getroffen."

"Hostile?" hakte Jared nach.

"Es ist ein kleiner Club an der Melrose Avenue, privat. Nichts besonderes, aber man findet dort so ziemlich alles, was über das "normale" Maß hinausgeht, wenn du verstehst was ich meine."

"Ein Platz für die ganz hartgesottenen also", murmelte Jared.

Riley konnte nicht umhin zu schmunzeln, "ich weiß, du verabscheust diese Art von Spielen. Vielleicht jetzt noch mehr, als früher. Jedenfalls hab ich Jensen vor einem Riesenfehler bewahrt, er wollte sich gerade in die Hände des "Schlächters" begeben. Und glaub mir, der Kerl trägt nicht umsonst diesen Namen, außerdem ist er ein äußerst guter Freund des Marquis."

Riley wusste über die Vergangenheit seines ehemaligen Doms Bescheid.

Jared setzte sich auf, "hat er Jensen diese Narbe …"

Riley schüttelte den Kopf, "nein und auch als ich ein paar Mal nachgefragt habe, wollte er mir den Namen dieses Schweins nicht nennen. Sonst hätten Misha und ich sich schon der Sache angenommen, das kannst du mir glauben."

Er nahm erneut einen Schluck aus der Flasche.

"Hat … Hat Jensen irgendwas gesagt, was ihn dazu bewegt hat sich auf diese Sache einzulassen?"

"Wieso fragst du? Er ist doch zu dir gekommen, oder? Sollte dir das nicht genügen?" meinte Riley trotzig, "wieso musst du alles immer hinterfragen? Wieso kannst du nichts so nehmen, wie es ist? Das war schon immer dein Problem, dieses wieso und warum?"

"Riley", kam Mishas Stimme gebieterisch aus dem Hintergrund.

Er lehnte lässig am Türstock, hatte die Hände über der Brust verschränkt.

"Wenn du etwas weißt, dann sag es Jared gefälligst."

Rileys Kopf ruckte in Mishas Richtung, "ich habe ihm mein Wort gegeben, Sir."

"Aber es geht um Jensens Wohlergehen", sagte Jared sanft.

"Ihr beide ward lange genug zusammen, du müsstest doch wissen wie er tickt", schnappte Riley.

Jared seufzte, "eben nicht. Etwas Schlimmes muss passiert sein, so schlimm, dass es ihn aus der Bahn geworfen hat. Er ist nicht mehr die Person, die ich mal kannte. Ich komm mir vor, als würde ich mit einem Haufen scharfer Handgranaten jonglieren. Bitte Riley, wenn du weißt, was ihn so verändert hat, dann sag es mir."

Sein ehemaliger Sub hatte Tränen in den Augen, schluckte ein paar Mal, dann sagte er kaum hörbar, "lässt du ihn dann fallen, wenn dir nicht gefällt, was ich dir erzähle? Schiebst du ihn dann auch einfach ab, so wie du …"

"Riley, Schluss damit", rief Misha, "was soll der Mist? Wie oft habe ich mit dir über die Gründe von Jareds Handeln gesprochen? Du hättest ebenso gut auf der Straße landen können, anstatt hier bei mir. Und komm mir bloß nicht damit, dass es dir hier schlecht geht."

"Nein, Sir, das wollte ich damit auch nicht behaupten", murmelte Riley, "verzeiht mir … beide … ich … das alles reißt viele alte Wunden auf."

"Soll ich später wieder kommen? Morgen vielleicht oder übermorgen?" schlug Jared vor.

So wie Riley dasaß, mit dem leeren Blick aus den großen traurigen Augen, erinnerte er ihn sehr an Jensen. Die beiden waren sich in ihrer derzeitigen emotionalen Verfassung so ähnlich, das es schon unheimlich war.

Jetzt verstand er auch, wieso es so leicht für ihn gewesen war, wieder in das alte Muster zu verfallen. Unbewusst hatte er Riley vor sich gesehen und nicht Jensen.

Er warf einen Blick hinüber zu Misha. Der nickte leicht. Bestätigte ihm damit, dass er wusste, was im Kopf seines ehemaligen Schülers vor sich ging. Ein Puzzleteilchen fügte sich zum anderen. Diese Erkenntnis traf Jared wie ein Vorschlaghammer.

"Jensen redet sicher nie wieder ein Wort mit mir, wenn er herausfindet, dass ich es euch erzählt habe", nervös knetete Riley seine Finger.

"Keine Sorge, ich sag ihm, du hattest keine andere Wahl, Misha und ich haben dir so zugesetzt, du musstest einfach reden", Jared versuchte ein schiefes Grinsen.

Riley lachte verbittert auf, "klar, das glaubt er dir aufs Wort. Bei der niedrigen Schmerzschwelle, die ich habe."

Misha stieß sich vom Türstock ab und ging hinüber zu seinem Sub. Er hockte sich neben ihn und nahm Rileys eiskalte Hand in seine.

"Ich denke, du weißt, dass wir ihm nur helfen wollen. Das geht aber nicht, wenn er so zugeklappt ist wie eine Auster."

Riley sog hörbar Luft in seine Lungen, es fiel ihm alles andere als leicht, sein Versprechen zu brechen.

Unsicher sah er hinüber zu Jared, "und du denkst nicht, dass er es dir irgendwann von selbst erzählen wird?"

"Ehrlich? Ich weiß es nicht. Ich kann es dir nicht sagen, aber ich denke nicht. Selbst der Jensen, den ich mal kannte, hat immer alles in sich hineingefressen. Schon damals gelang es mir nicht oft, ihn zum Reden zu bringen. Wohl auch ein Grund weshalb unsere Beziehung letztendlich gescheitert ist. Geredet haben wir nie viel miteinander, was unsere Beziehung betraf."

Jareds Gesicht nahm einen verklärten Ausdruck an, "wir haben es einfach laufen lassen. Gestritten haben wir uns über andere Dinge, wo das letzten Endes hinführte, weiß jeder hier im Raum. Daher denke ich, dass ich, so wie er jetzt drauf ist, erst recht auf Granit beißen werde. Keine Sorge Riley, ich stell ihn auf keinen Fall deswegen zur Rede, ich möchte es nur verstehen. Denn nur dann, kann ich ihm helfen."

"Und wenn er deine Hilfe nicht will? Vielleicht braucht er dich nur, um den Schmerz, der in ihm wütet zu vergessen, für die Zeit, in der er bei dir ist. Vielleicht genügt ihm das?" gab Riley zu bedenken.

"Ist es das, was du tust?" entgegnete Jared, "den Schmerz und die Wut betäuben? Wie du sehen kannst, funktioniert es nicht, oder? Wie lange hält dein High nach einer Session an, Riley? Wie lange? Und wie viel mehr Schmerz bist du letzten Endes bereit zu ertragen, um dieses Gefühl länger genießen zu können? Denkst du Misha oder ich oder sonst irgendjemand auf diesem gottverdammten Planeten ist überhaupt in der Lage die Dunkelheit, die in deinem Inneren herrscht zu erleuchten?"

Jared schluckte, hielt die Tränen eisern zurück, "ich glaube nicht, Riley und ich habe Angst, dass wir beide dich eines Tages im Leichenschauhaus besuchen können, weil du es zu weit getrieben hast."

Als Jared die vernarbten Schnitte an Rileys Unterarmen sah, hätte er ihn am liebsten bei den Schultern gepackt und durchgeschüttelt. So lange, bis er zur Vernunft kommen würde. Aber er würde seine Kraft wohl sinnlos vergeuden. Riley befand sich auf der Einbahnstraße zur Hölle und nur ein Wunder würde ihn retten können.

Misha und sein Sub starrten ihm perplex ins Gesicht.

"Sorry, Leute, aber das wollte ich schon lange mal loswerden. Ich hoffe, ich mach jetzt nicht nen Houdini durchs geschlossene Fenster", schob Jared rasch und mit hochrotem Kopf hinterher, "Mann, ist mir das peinlich. Entschuldige Riley, ich weiß nicht was mich grad geritten hat."

Seine Verlegenheit lockerte die Anspannung aller Beteiligten.

Und bevor Jared anfing, sich weiter um Kopf und Kragen zu reden, rückte Riley mit der Sprache heraus, "erinnert ihr euch an die Sache mit Nathan Chapell?"

"Was zum Geier hat das jetzt mit Jensen zu tun?" fragte Misha verwundert.

"Erinnert ihr euch an die Sache?" beharrte Riley.

"Ja, er wurde nach einem Konzert im Echo Park in Los Angeles von ein paar Schwulenhassern zu Tode geprügelt", sagte Jared.

"Und Jensen musste dabei zusehen. Vier dieser Typen hielten ihn fest, während die anderen fünf auf Nathan einprügelten. Jensen und er waren damals ungefähr seit einem halben Jahr ein Paar. Und weil es Jensens Ansehen geschadet hätte, hat sein Management seine Anwesenheit und die Tatsache, dass er Nathan überhaupt kannte, vertuscht. Das ging auch nur deswegen, weil sie nicht gemeinsam auf dem Konzert gewesen waren, sondern sich erst viel später getroffen haben. Heimlich. Jensen hatte Glück, als sie sich ihn vornehmen wollten, wurden sie durch irgendetwas aufgeschreckt und liefen davon."

"Um Himmels Willen", Jared zittere am ganzen Körper, "konnte er diese Typen identifizieren?"

"Nein, sie trugen Sturmmasken. Vielleicht ist er auch deswegen noch am Leben. Es gab noch mehr Übergriffe in der Gegend, alle auf gleichgeschlechtliche Pärchen. Zwei Mädchen hat es eine Woche später erwischt."

"Mindy Erhard und Lisa Bloomingdale", sagte Misha kaum hörbar, "sie wurden vergewaltigt und anschließend hat man ihnen die Kehle durchgeschnitten. Eine von ihnen hielt noch eine schwarze Sturmmaske in der Hand."

"Und … und sein Management hat … hat ihn aus allem rausgehalten?" Jared hatte Mühe seine Fassung zu bewahren.

Riley lehnte sich zurück.

"Oh ja. Ich hab keine Ahnung welchen Eiertanz sie dafür aufführen mussten und welche Unsummen sie bezahlt haben, nur damit ihre goldene Gans nicht geschlachtet wird. Jetzt rechne schön brav eins und eins zusammen, dann weißt du auch weshalb er sich nur sechs Wochen nach diesem Zwischenfall mit seiner "langjährigen" Freundin Danneel verlobt und sie kurz darauf geheiratet hat. Nun sieh mir in die Augen, Jared und sag mir, dass dieser ganze Bullshit nicht auch einen anderen Menschen aus dir gemacht hätte."

Seine letzten Worte spie er praktisch aus.

"Ich … ich hatte ja keine Ahnung, er hat nie … ein Wort darüber verloren, nicht einmal ansatzweise. Misha, bei dir vielleicht?"

Der Blauäugige schüttelte den Kopf, drückte sich vom Boden hoch.

"Auf jeden Fall musst du mit ihm über die Sache sprechen", sein Gesichtsausdruck war wie versteinert, "du kannst unmöglich so weitermachen. Ihr könnt nicht so weitermachen. Am besten wäre, er sucht professionelle Hilfe. Schmerzen und Demütigungen bringen ihm sicher nicht das, wonach er sucht. Was auch immer es sein mag."

Während er sprach, warf Misha einen Seitenblick auf Riley. Der tat so, als würde er ihn nicht hören, jedenfalls reagierte er auf die Anspielungen kein bisschen.

Jared erhob sich, "ich glaub, ich mach jetzt einen langen Spaziergang und lass deine Informationen erst einmal setzen."

Sie reichten einander die Hände. Misha und Riley begleiteten ihn zur Tür, versprachen ihm zur Seite zu stehen und sahen ihm anschließend nach, bis er im dichten Schneegestöber verschwand.

Als Misha und Riley eine Stunde später bei einem Glas Rotwein zusammen saßen, fragte Riley verunsichert, "Sir, denken sie ich habe das richtige getan?"

Sein Herr nickte, "auf jeden Fall." tbc

Posted on: 3/15 22:11
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Chapter 13
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Der Wind hatte jetzt beinahe Sturmstärke erreicht. Jared schlug den Kragen seines Mantels hoch und zog den Schal fester. Die Schneeflocken kamen beinahe schon senkrecht daher. Kaum trafen sie auf sein makelloses Gesicht, fühlte es sich an, wie unzählige Nadelstiche. Tapfer lehnte er sich gegen den Sturm, der erbarmungslos an seinem Mantel zerrte. Seine Nase und seine Ohren waren innerhalb kürzester Zeit taub vor Kälte. Er ärgerte sich, dass er seine Mütze vergessen hatte. Immer wieder peitschten ihm die langen Haare ins Gesicht. Aber was waren das schon für Sorgen? Im Gegensatz zu denen von Jensen.

Es war schon schlimm genug, einen geliebten Menschen, durch eine Krankheit oder einen Unfall zu verlieren. Aber hilflos mit ansehen zu müssen, wie dieser Mensch sinnlos zu Tode geprügelt wurde …

„Gott Jensen, weshalb hast du mich nicht angerufen oder mir geschrieben? Ich wäre doch da gewesen für dich, hätte dir zugehört oder einfach nur neben dir gesessen. Du hättest da nicht alleine durchmüssen …“ murmelte Jared vor sich hin.

Die Tränen, die er in Mishas Apartment noch zurückgehalten hatte, strömten nun unaufhaltsam über seine eiskalten Wangen. Der Damm war gebrochen. Zum Glück war bei diesem Sauwetter ohnehin jeder mit sich beschäftigt. Und wenn nicht, dann ging ihm das auch am Arsch vorbei. Trotz allem nahm Jared nicht den direkten Weg nach Hause, sondern irrte ziellos durch den Centralpark. Der Wind und die Kälte halfen ihm halbwegs klare Gedanken zu fassen.

Misha hatte recht, bevor er mit Jensen nicht über alles gesprochen hatte, konnte er unmöglich weitermachen. Aber wie sollte er das bloß anstellen? Er wollte Riley aus dem ganzen Schlamassel raushalten. Er war ihm mehr als dankbar dafür, dass er ihm alles erzählt hatte. Im Moment wollte ihm nichts einfallen. Aber er hatte ja noch einige Tage Zeit, ehe sie sich wiedersahen. Und wenn er schon mit Jensen reden musste, dann besser bei ihm zu Hause in Los Angeles. Auf vertrautem Terrain, sozusagen.

Jared warf einen Blick auf die Uhr und rechnete den Zeitunterschied aus. Sobald er daheim war, würde er ihn anrufen und ihm von der Planänderung in Kenntnis setzen. Er war sich sicher, dass er an diesem Wochenende weder seine Kammer, noch seine Spielzeuge benötigen würde. Was sollte schon passieren, wenn er ein vernünftiges Gespräch mit Jensen führte?

Im schlimmsten Fall, würde ihn der mit einem Arschtritt zur Tür hinaus befördern und ihn nie wieder sehen wollen. Das war dann wohl die kürzeste Beziehung, die er jemals gehabt hatte, abgesehen von den unzähligen One-Night-Stands. Das wäre der erste One-Week-Stand auf SM Basis in seinem Leben gewesen.

Nach drei Stunden an der frischen Luft, beschloss er nach Hause zu gehen. Noch länger und er könnte sich einen Besenstiel in den Hintern schieben und sich als menschlicher Eislutscher anbieten. Bei all dem Irrsinn auf der Welt, gab es sicher auch dafür irgendwo eine Nachfrage.

In seinem Loft war es heimelig warm. Trotzdem beschloss er Feuer im Kamin zu machen und sich ein heißes Bad einzulassen. Während die Flammen unter den trockenen Holzscheiten hervor züngelten, fröstelte es Jared. Hoffentlich hatte ihm seine Sturheit keine Erkältung eingebracht. Das fehlte ihm grad noch zum Glücklich sein.

Eine halbe Stunde später stieg er in seine große, bis zum Rand gefüllte und mit einem riesigen Schaumberg verzierte, Badewanne. Noch immer war er so durchgefroren, dass es sich anfühlte, als käme er mit kochendem Wasser in Berührung. Es dauerte eine Weile, bis er seinen Luxuskörper komplett versenkt hatte.

„Heiß, heiß, heiß, heiß, heiß“, jammerte er dabei und schalt sich in Gedanken eine Memme. Sein Handy befand sich in Reichweite auf einem kleinen Schemel neben der Wanne. Leise Musik tönte durch die, in der Decke eingebauten, Lautsprecher. Jared legte seinen Nacken auf den Rand der Wanne und fing an, sich zu entspannen. Er fühlte, wie die Kälte seinen Körper verließ. Wohlige Wärme breitete sich statt ihrer aus. Machte ihn schläfrig. Er musste ein paar Mal herzhaft Gähnen. Doch bevor er einschlief, was er eigentlich nicht vor hatte, griff er zu seinem Handy und wählte Jensens Nummer.

Es klingelte dreimal, ehe sich jemand am anderen Ende der Leitung meldete.

„Gratuliere, sie haben soeben das Topfset und die Nähmaschine gewonnen. Wenn sie mir ganz schnell noch eine Frage beantworten, bekommen sie den schwarzen Dildo und die Handschellen auch noch dazu“, witzelte Jensen gut gelaunt.

Jared musste lächeln, „hi Babe“, sagte er zärtlich.

„Hast du gespürt, wie sehr ich in den letzten Minuten an dich gedacht habe? Oder handelt es sich um den Kontrollanruf eines Doms, der wissen will, ob ihm sein Sklave noch hörig ist? Ich mach alles, was sie sagen Sir.“

Entweder war Jensen wirklich dermaßen aufgedreht, oder er spielte ihm was vor.

„Nein Jen, ich ruf nicht als dein Dom an“, mühsam kämpfte Jared gegen die bleierne Müdigkeit, die von ihm Besitz ergriffen hatte, an, „ich hab bloß eine kleine Planänderung wegen dem Wochenende.“

Schweigen.

„Hallo, Jen? Bist du noch dran?“

„Ja bin ich“, seine gute Laune war wie weggeblasen.

Dann war es wohl doch nur Theater gewesen, dachte Jared.

„Rufst du an, um mir zu sagen, dass du keine Zeit hast? Würde mich nicht wundern. Ich bin einfach in dein Leben geplatzt und ….“

„Nein Jen, darum geht es nicht. Ich will dir nicht absagen“, fiel Jared ihm ins Wort, „im Gegenteil, ich freue mich doch schon drauf. Aber ich wollte fragen, ob ich nicht zu dir kommen kann? Ein Blizzard ist im Anmarsch und irgendwie hängt mir die Kälte zum Hals raus. Ich sehne mich nach Sonnenschein und einer Runde Rollerblade fahren am Venice Boulevard.“

Der Jubelausbruch am anderen Ende der Leitung war so laut, dass er kurz das Handy von seinem Ohr weghalten musste.

Nachdem sich Jensen wieder einigermaßen eingekriegt hatte, meinte Jared, „ich nehm dass dann mal für ein JA.“

„Und ob. Sicher doch. Ich hatte dir doch schon gesagt, dass es mir nichts ausmacht und dass ich dir gern mein neues Haus zeigen würde. Es wird dir sicher gefallen und wir haben jede Menge Platz, um unsere kleinen Spielchen zu spielen. Natürlich habe ich nicht so eine tolle Kammer wie du, aber …“

„Ähm ja, Jen, schon gut“, versuchte Jared den Überschwang seines Freundes zu bremsen, „schon gut. Aber ich hab eher an sowas wie ein Kuschelwochenende gedacht. Ohne Leder und den ganzen Kram.“

„O … Okay, was immer du willst. Du hast das sagen“, Jensen war anscheinend total über diese Aussage verblüfft.

„Ich hoffe, du bist jetzt nicht enttäuscht, Jen.“ Jared unterdrückte ein Gähnen.

„Nnnein, nein, sicher nicht. Wie kommst du da drauf? Es ist nur ….“

„Was?“ hakte Jared behutsam nach.

„Es ist nur so verdammt lange her, dass ich einfach so mit jemand ein Wochenende verbracht habe. Meistens war ich alleine, oder in einem Club.“

„Na dann, gewöhn dich schön langsam an den Gedanken, dass es vielleicht nicht bei dem einem Mal bleiben wird.“

Kaum hatte er zu Ende gesprochen, hätte sich Jared am liebsten gleich auf die Zunge gebissen. Was war bloß in ihn gefahren? Er konnte doch Jensen nicht so einfach eine Beziehung aufs Auge drücken.

„Sorry Babe, ich denke, dass ist die Müdigkeit. Ich bin heut eine Weile in der Kälte herumgelaufen. Gut möglich, dass mir dabei das letzte bisschen Verstand, dass ich noch hatte abhanden gekommen ist.“

Stille.

"Hey Jen, bist du noch dran?"

"Ja, bin ich", Jensens Stimme klang seltsam verklärt.

Stille. Jared setzte sich auf.

"Hör zu, am besten wir reden über alles in Ruhe, wenn ich dann bei dir bin."

"Worüber willst du reden? Für mich ist alles klar … ich mach das, was du von mir verlangst."

Jared schloss für einen Moment die Augen und atmete aus, das Gespräch lief in die total verkehrte Richtung.

"Jen, Babe. Ich … ich hab ein wenig nachgedacht und mir sind ein paar Dinge klar geworden. Irgendwie sind wir … bin ich die ganze Sache falsch angegangen."

"Was meinst du? Den Vertrag? Du … du willst ihn doch nicht lösen?" Jensens Stimme klang panisch.

"Nein, nein. Auf keinen Fall", antwortete Jared, "es ist einfach … Shit Jen, ich kann am Telefon nicht mit dir darüber reden. Ich seh zu dass ich so schnell wie möglich einen Flug bekomme, okay?"

"Okay", Jensens Stimme war nur noch ein Flüstern.

"Sehr begeistert klingst du aber nicht gerade", meinte Jared.

"Wir sehen uns", es klickte und die Leitung war tot.

Jared starrte auf sein Handy.

"Was zur Hölle war das denn?" murmelte er.

Jetzt ärgerte er sich darüber, Jensen überhaupt angerufen zu haben. FUCK! Am liebsten wäre er sofort auf den Flughafen gefahren, doch das war nicht möglich, morgen hatte er noch jede Menge Arbeit. Er hielt es nicht mehr länger in der Wanne aus, duschte kurz, wickelte sich in einen flauschigen Bademantel und ging zu seinem Schreibtisch. In seinem Kopf herrschte Chaos. Mit zittrigen Fingern suchte er den nächstbesten Flug nach Los Angeles.

-------------

Jensen lief wie ein gereizter Tiger in seinem Wohnzimmer auf und ab. Sein Herz machte jedem Presslufthammer problemlos Konkurrenz, seine Kehle war vollkommen ausgedörrt. Er ging hinüber zur Bar und goss sich einen Single Malt ein. Was zum Teufel war nur schiefgelaufen? Weshalb hatte sich Jared nur so merkwürdig verhalten? Er konnte mit ihm nicht am Telefon darüber reden. Das konnte nur eines bedeuten, er würde Schluss mit ihm machen, er würde ihm den Vertrag kündigen und … Jensen wollte gar nicht weiterdenken. Auch wenn Jared es abgestritten hatte … Er hätte es wissen müssen … Es verrückt gewesen zu glauben, Jared könne ihm das geben, was … Nein, das war nicht richtig. Immerhin war es ihm die ganze Zeit über gut gegangen. Okay, den einen oder anderen Ausrutscher hatte er gehabt, aber … Trotzdem, irgendwas war Jared missfallen und jetzt würde er her kommen und ihn abservieren. Hätte er es denn nicht gleich am Telefon machen können?

Jensen war total konfus. Er bekam keine Luft, lief hinaus auf die Terrasse. Alles verschwamm vor seinen Augen. Der Druck in seinem Magen wurde unerträglich, er schaffte es gerade noch auf die Toilette. Eine dermaßen heftige Panikattacke hatte er schon lange nicht mehr gehabt. Er ging zum Waschbecken und spritzte sich jede Menge kaltes Wasser ins Gesicht. Als er den Kopf hob und sein verstörtes Spiegelbild sah, konnte er nicht anders und drosch mit der Faust darauf ein.

Das Glas splitterte, Blut floss. Doch genau dieser Schmerz war es, der ihm eine gewisse Erleichterung brachte. Gebannt starrte er auf seine Finger und den blutigen Handrücken. Er wurde ruhiger. Erneut hob er den Kopf. Sein Gesicht spiegelte sich in dem gebrochen Glas wieder und wieder. Zum Teil verzerrt. Dann kam er auf die folgenschwere Idee. Da Jared nicht greifbar war und anscheinend auch keine Lust mehr hatte, sein Dom zu sein, auch wenn er es abgestritten hatte, musste er sich anderswo umsehen. Zwei Worte kamen ihm in den den Sinn: Hostile, Schlächter.

Dieser Abend war es, der Monate später sein Leben und das von Jared auf den Kopf stellte. Denn was Jensen nicht wusste, war, dass der Schlächter während seiner Sessions kompromittierende Bilder von seinen Subs machte, um sie dann zu erpressen.

Eine Stunde später verließ Jensen, von Kopf bis Fuß gekleidet in schwarzes Leder, das Haus und stellte die Weichen für den schrecklichen Unfall, der ihm letztendlich das Leben kosten könnte.


Gegenwart

Blicklos starrte Jared vor sich hin. Gerade vorhin war ein Arzt bei ihnen gewesen und hatte gesagt, dass sie Jensens innere Blutungen fürs erste stillen konnten. Aufgrund seines kritischen Zustandes konnten sie sich um die anderen Verletzungen nur oberflächlich kümmern. Er würde auf jeden Fall noch weitere Operationen benötigen. Falls er die Nacht und die nächsten achtundvierzig Stunden überhaupt überlebte. Sobald er vom Operationssaal auf die Intensivstation verlegt worden war, konnte Jared zu ihm. Kurz. Nur am Rande hatte Jared dem Arzt zugehört, als er Jensens zahlreiche Verletzungen aufgezählt hatte. Es wäre wohl einfacher gewesen zu sagen, was an seinem Lebensgefährten überhaupt noch heil war.

Das ältere Ehepaar war gegangen. Dafür hatte sich Riley zu ihnen gesellt. Im Moment standen Misha und er abseits und führten eine lebhafte Diskussion, im Flüsterton. Immer wieder sahen beide hinüber zu Jared, der aussah, wie eine Figur in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett, genau so blass und steif.

"Und nein Riley, ich halte es für eine beschissene Idee", zischte Misha.

Sein Gegenüber schüttelte den Kopf und richtete den Blick auf den Boden, "es ist vorbei Misha. Ich kann und will so nicht mehr leben. Du weißt das genauso gut, wie ich. Es abzustreiten macht keinen Sinn. Ich bin dir wirklich dankbar für alles. Aber …"

Mishas Unterkiefer mahlte, erneut sah er hinüber zu Jared, "das hier ist ein denkbar schlechter Zeitpunkt, um mit mir zu streiten. Jared und Jensen brauchen uns."

Riley sog hörbar Luft in seine Lungen, "ja genau, sie brauchen uns. Und deshalb gibt es kein Zurück mehr für mich. Sag mir, dass du mich freigibst Misha."

Die Blicke der beiden Männer verhakten sich ineinander. Die Sekunden tickten vorbei.

Jared bekam den Streit nicht einmal ansatzweise mit. Körperlich war er zwar anwesend, doch gedanklich war er bereits hinter der Tür aus rostfreiem Stahl, an Jensens Bett.

Rileys Gesicht schob sich in sein Blickfeld.

"Jared, hey", sagte er sanft und nahm die eiskalten Hände des großen Texaners in seine.

"Ich … ich wollte dir nur sagen, dass ich für längere Zeit verschwinde. Aber Misha hat mir versprochen, auf dich und Jensen aufzupassen. Du kannst auch gern bei uns wohnen, bis Jensen wieder auf den Beinen ist, oder Misha zieht zu dir."

Keine Reaktion.

"Jared, ich … ich liebe dich, das weißt du und ich werde es immer tun. Aber Jensen ist das Beste, das dir jemals passieren konnte. Du musst mir versprechen, fest daran zu glauben, dass er wieder gesund wird. Jared, hörst du mich?"

Langsam hob er den Kopf und sah Riley mit tränenverhangenem Blick in die Augen, "es tut mir leid. Ich konnte dir nie geben, wonach du dich gesehnt hast."

Seine Stimme war kaum mehr als ein leises Krächzen.

"Schon gut mein Freund. Ich will keine Entschuldigung von dir. Glaub einfach an eine gemeinsame Zukunft mit Jensen. Alles andere zählt nicht. Versprichst du mir das?"

Einem Impuls folgend, schlang Riley beide Arme um Jareds Hals, "versprich es mir Jared. Er wird dich mehr denn je brauchen."

Tränen liefen unaufhaltsam über Jareds Wangen. Er drückte Riley so fest an sich, dass ihnen beiden beinahe die Luft wegblieb.

"Ich verspreche es dir", schluchzte er, "und wenn er wieder auf den Beinen ist, dann … dann schmeißen wir die größte Party, die Hollywood jemals gesehen hat. Und ich mach mit ihm die Weltreise, von der er andauernd labert …"

Riley schluckte, der Knoten in seinem Hals wurde immer größer, aber er musste jetzt Stärke zeigen. Er dachte an all die Wut in ihm, die sich über die Jahre angestaut hatte. Die Wut auf sich selbst über die Unfähigkeit jemals eine normale Bindung mit jemand einzugehen. Die Wut auf den Marquis. Der Jared erneut an den Rand des Abgrunds gestoßen hatte. Aber er wusste, dieses Mal käme er nicht ungeschoren davon. Nach all der Scheiße aus der ihm sein Freund raus geholfen hatte, war es nun an ihm, sich dafür zu revanchieren.

Langsam löste sich Riley aus Jareds Umklammerung. Bevor er aufstand, sah er ihm noch einmal tief in die Augen, "ich verspreche dir, das Schwein wird dafür bezahlen. Hörst du? Er wird niemandem mehr weh tun."

Jared nickte abwesend. Im Moment war er einfach mit allem überfordert und hielt Rileys Worte für leere Drohungen. Womit wollte er dem Marquis schaden? Der Mann hatte viel zu viel Einfluss. Außerdem wollte Jared jetzt nicht das denken, was er ihm angetan hatte.

Die Tür ging auf. Jared sprang auf und eilte zu der Krankenschwester, die ihm bat, ihr zu folgen.

"Und was ist Misha?" fragte Riley.

"Okay. Ich gebe dich frei. Aber ich flehe dich an, überleg es dir noch einmal. Du könntest dabei draufgehen."

"Ich weiß. Aber das Risiko ist es mir wert. Ich danke dir für alles. Gib bloß auf die beiden acht. Ab und zu brauchen sie noch einen Schubs in die richtige Richtung. Außerdem sind sie sicher nicht so einfallsreich wie du. Ich liebe dich."

Sie umarmten sich kurz. Dann machte Riley auf dem Absatz kehrt. Misha sah ihm nach, als er, hoch erhobenen Hauptes, den langen Gang entlang schritt und fragte sich, wann und ob er ihn jemals wieder sehen würde.

"Mach's gut Riley", murmelte er, während eine einsame Träne über seine Wange lief.

Draußen kroch die Sonne langsam den Horizont hoch. Riley atmete tief durch und setzte sich seine dunkle Ray Ban Sonnenbrille auf. Wann hatte er eigentlich zum letzten Mal so einen wunderschönen Sonnenaufgang erlebt? tbc

Posted on: 5/29 1:23
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